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König-Friedrich-August-Turm

Inhaltsverzeichnis

1 LÖBAU 3
1.1 KURZE STADTGESCHICHTE 3
1.2 DAS STADTWAPPEN 4
1.3 DER SECHSSTÄDTEBUND 5
1.4 DER STADTPOKAL 5
2 DER GUßEISERNE - TURM 6
2.1 DIE FACHWELT ÜBER DEN LÖBAUER TURM 6
2.2 TECHNISCHE DATEN 7
2.3 DIE ERBAUER 8
2.4 GESCHICHTE 9
2.5 DIE TAFELN DES GUßEISERNEN TURMS 11
2.6 DIE RESTAURIERUNG 15
3 HISTORISCHE ÜBERSICHT 17

Inhalt der Arbeit:

1 LÖBAU
1.1 Kurze Stadtgeschichte

Zum ersten Male wird Löbau in einer Urkunde des Meißner Bischofs Bruno II von 1221 genannt.
In ihr wird Löbau als Opidum, als befestigter Platz, also als Stadt bezeichnet. Die Gerichtsbarkeit wurde im 14. Jahrhundert für 36 Dörfer ausgeübt. Von besonderer Bedeutung für die Stadt Löbau war der am 21. August 1346 gegründete Sechsstädtebund, dem die Städte Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Kamenz und Löbau angehörten.
Kriege und Brände haben oft schwere Schäden und Rückschläge in der Entwicklung bewirkt. So brannte 1429 die ganze Stadt nieder, nur die Nikolaikirche und das Kloster blieben erhalten. Den schwersten Schlag in ihrer Geschichte erlitt Löbau 1547 durch den Pönfall (Pönfall-Strafe). Die Stadt mußte hohe Geldstrafen wegen Ungehorsam gegenüber dem König zahlen, verlor alle Besitzungen außerhalb der Stadtmauern, auch den Löbauer Berg und den Kottmar. Die Privilegien der freien Ratskür und des Bannmeilenrechts als Einflußgebiet gingen ebenfalls verloren.
In den Jahren 1548 - 1576 kaufte die Stadt viele Dörfer und Waldungen zurück. Leineweberei und -handel sind im 18. Jahrhundert dominierende Erwerbszweige.
1835 setzte mit der Industrialisierung ein neuer Aufschwung ein. Viele Fabriken und die Regionalstrecken der Eisenbahnverbindung Paris - Warschau brachten Beschäftigung und Wohlstand. Es folgten nach 1890 Betriebe der Lebensmittel- und verarbeitenden Industrie und die damit verbundene Wohnbebauung außerhalb der alten Stadtmauern.



1.2 Das Stadtwappen



Vielgestaltig erschien das Stadtwappen in der Löbauer Geschichte. In den vergangenen Jahrhunderten fanden je nach Zeitgeschmack verschiedene Darstellungen Verwendung. Das letzte verbindliche Dokument ist im "Lexikon Städte und Wappen der DDR" nachzuschlagen. Hier findet man Hinweise auf die Festlegungen des Aussehens des Löbauer Stadtwappens aus dem Jahre 1897.
Das Wappen der Stadt Löbau wird geführt in einem roten Schilde. Unter einem goldenen Portal befindet sich zwischen zwei Türmen ein freistehender silberner (böhmischer) Löwe. Auf dem Schilde ein Helm mit silbernen und roten Helmdecken; auf dem Helm befindet sich der altböhmische schwarze, mit 13 goldenen Lindenblättern besähte Flug. Im Schild der steigende silberne Löwe mit Doppelschweif.
Der doppelschwänzige Löwe deutet auf die damalige Zugehörigkeit der Oberlausitz zu Böhmen hin. Ihn zeigt schon das älteste Siegel der Stadt vor 1254!
Von 1336 bis 1632 nahm der heilige Nicolaus, Schutzpatron des Handels, den Platz des Löwen ein.


1.3 Der Sechsstädtebund

Am 21. August 1346 wurde der Oberlausitzer Sechsstädtebund, zwischen Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Kamenz, Löbau gegründet.
Die Löbauer Konventakten beginnen 1623, sie sind während des Dreißigjährigen Krieges lückenhaft. Bis auf 12 Ausnahmen fanden alle Konvente in Löbau statt, die von Anfang an wegen ihrer zentralen Lage als Konventstadt galt.
Die Konventakten im Ratsarchiv sind eine Einmaligkeit in der Darstellung historischer Abläufe über einen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten. 1815 wurde durch Landesteilung das Ende des Sechsstädtebundes im Ergebnis der Napoleonischen Kriege besiegelt.


1.4 Der Stadtpokal

Zum Konventpokal heißt es im 1. Löbauer Konventbuch:

"Weil allhier mit Nutzen und Frommen
die Sechsstädte zusammenkommen,
haben die hochweisen Alten,
gute Freundschaft zu halten,
sich ein großes Glas erlesen,
das der, so nicht da gewesen,
pflegt auf aller Gutdünken
treu- und redlich auszutrinken."

Man ließ einen Pokal anfertigen, welcher gefüllt mit 3 Flaschen Wein (ca. 2l), bei Konventen die Runde machte. Die Urteilfähigkeit eines neuen Bürgermeisters oder Abgeordneten wurde geprüft, indem er selbigen Pokal in einem Zuge zu leeren hatte.
Der Pokal ist Zeugnis einer fruchtbringenden gemeinsamen Landespolitik des Bundes.

2 DER GUßEISERNE - TURM
2.1 Die Fachwelt über den Löbauer Turm

"...einem Eisengußobjekt sehr seltener Art..., dem Gußeisernen Aussichtsturm von Löbau in Sachsen, der 1854, also nur drei Jahre nach seinem technischen Vorbild, Paxtons Londoner Kristallpallast, entstanden ist. Dieses wie eine filigrane Pagode anmutende achteckige, fast netzhaft durchsichtiges Gebilde ist der einzige Gußeiserne Aussichtsturm in Europa. Er ist wie Paxtons Werk ein Montagebau, ein Werk des Bildhauers und Modelleurs Marquart aus der Bernsdorfer Gießerei."
Auszug aus der Rede von Prof. Sperlich, im Juni 1993 in Wismar


2.2 Technische Daten

Höhe: 28 Meter
Durchmesser: 4 Meter
Form achteckig
Fundamente 8 m in den Fels gegründet
Geschoße 4 Stockwerke im Innern
3 Galerien in 12, 18 und 24 Meter Höhe
Treppe Wendeltreppe - 120 Stufen



Verwandt wurden über 1.000 Einzelteile mit einem Gewicht von 70 Tonnen. Die Teile sind hauptsächlich zusammengesteckt und mit Blei verschlagen. Die Architektur des Turmes entspricht einem Neostil des 19. Jahrhunderts, der sich vor allem an der byzantinischen und gotischen Ornamentik orientiert.



2.3 Die Erbauer

Architekt: Friedrich August Bretschneider jun.

Bildhauer und
Modelleur: C. W. Marquart

Baumeister: Carl Gottlieb Lippert

Maurerpolier: Friedrich Wagner

Maurermeister: Kleint

Zimmerpolier: Gottfried Rönsch

Baugerüst: Zimmerpolier Rönsch

Aufstellung, Ziseleur und Monteur:
Geisler

Besitzer des Eisenhüttenwerkes Bernsdorf:
Ludwig von Klitzing

Hüttenmeister in Bernsdorf:
G. Grieshammer



2.4 Geschichte

Um 1850 wurde die Idee geboren, auf dem Löbauer Berg einen Aussichtsturm zu bauen. 1853 nahm das Vorhaben konkrete Formen an. Man diskutierte über Aussehen und Finanzierung des Baus. Pläne für einen steinernen Turm und für einen aus Gußeisen existierten. Man entschied sich für den Gußeisernen. Doch noch stand für die Stadtväter das Problem der Finanzierung.
Da entschloß sich ein Mann kurzerhand, das Turmvorhaben in die eigenen Hände zu nehmen. Es war der Löbauer Bäckermeister Friedrich August Bretschneider (geb. 1805). Nach Verhandlungen zwischen ihm und dem Stadtrat konnte der Bau 1854 beginnen. Ab dem 12. Januar 1854 machte man sich daran, den Platz abzuholzen. Mit einem in der projektierten Turmhöhe aufgerichteten Steigebaum hatte man auf dem Berg den besten Aussichtspunkt herausgefunden. Tragende Säulen wurden 8 m tief in den Felsen verankert und aus 80 m³ Holz ein Gerüst in achteckiger Form für den Turmaufbau gestellt.
Im Februar gab König Friedrich August von Sachsen die Zustimmung, daß der Turm seinen Namen tragen und das sächsische Wappen angebracht werden dürfe. Aus Anlaß des 57. Geburtstages des Königs wurde am 18. Mai 1854 feierlich der eiserne Grundanker eingesetzt.
Anfang Juni begann man, den Turm aufzusetzen. Die Montage dauerte trotz der damaligen technischen Möglichkeiten nur zweieinhalb Monate.
Wider Erwarten hatte der Bau insgesamt ca. 25.000 Taler gekostet - nicht leicht für einen Bäckermeister zu bewältigen und deshalb um so ehrenwerter. Um diese Summe zu verdienen, hätte Bretschneider um die 1,6 Millionen Kilogramm Brot backen und verkaufen müssen.
Die Einweihung des Turmes mußte vom 01. August bis auf weiteres verschoben werden, da der sächsische König in die Tiroler Alpen gereist war. Dort verunglückte er tödlich. Überschattet von diesem Ereignis fand die Einweihung am 09. September 1854 statt. In der Folgezeit wurde der "Gußeiserne" von in- und ausländischen Gästen begeistert aufgenommen.
Bretschneider erlebte nicht mehr den Aufschwung, den der Turm nahm. Er verstarb am 22. Juli 1863.
1870 übernahm die Stadt den Turm. Sie zahlte den Erben 2.000 Taler und gab der Witwe Bretschneiders eine 10jährige Rente von 100 Talern im Jahr.
1875 erhielt der Turm 8 kupferne Orientierungstafeln auf der Brüstung der obersten Galerie. Im Jahre 1889 wurden zum ersten Mal der Anstrich und die Vergoldung erneuert. Das Restaurantgebäude wurde 1902 aufgestockt. 1964 erfolgten weitere Sanierungsarbeiten. So wurden über 300 Einzelteile neu gegossen sowie der Anstrich und die Vergoldung erneuert. Aus statischen Gründen wurden 1985 Stahlbandagen notwendig.
Herabstürzende Teile und Rosttreibungen erforderten im Frühjahr 1992 die Schließung des Turmes für den Besucherverkehr und machten eine umfassende Rekonstruktion notwendig. Am 09. September 1993 begann die Demontage. Die Teile wurden sandgestrahlt. Dabei zeigte sich, welche Teile wiederverwendet werden konnten. Tragende Teile wurden neu gegossen.
Für den Wiederaufbau war die Leipziger Firma Fach und Werk, Beratungs-, Planungs- und Servicegesellschaft für Denkmalpflege mbH verantwortlich, unter Beteiligung von 29 Betrieben der Fachbranchen - vorrangig aus der Region.
Nach nur einem Jahr wurde der Turm am 09. September 1994, 140 Jahre nach seiner Erbauung, wiedereröffnet.
Der Gußeiserne bietet einen Blick über die Oberlausitz bis ins Riesengebirge werfen. Ganz nach dem Motto des Erbauers Friedrich August Bretschneider:
"JE WEITER DER BLICK - DESTO FREIER DAS HERZ!"


2.5 Die Tafeln des Gußeisernen Turms

An jeder der acht Platten am Fuße des Turmes befinden sich Inschriften.





















2.6 DIE RESTAURIERUNG

Ziel war es, das Wahrzeichen der Stadt zu seinem 140.Jubiläum am 9.September 1994 für Besucher wieder zu öffnen.
Das Statische Gutachten sagte jedoch aus:
Nur eine völlige Demontage gewährleistet eine sichere Sanierung. Damit waren die Weichen für den Arbeitsablauf gestellt und ein straffer Terminplan für eine einmalige internationale Herausforderung aller Beteiligten stand bevor.
Am 9.September 1993, genau ein Jahr vor dem Fertigstellungstermin, übergab der Löbauer Bürgermeister Dietrich Schulte in einem Festakt symbolisch den Turmschlüssel und damit den Turm für ein Jahr dem Generalunternehmer, der Firma Fach & Werk aus Leipzig. Mit diesem Augenblick begann unter der Leitung des Richtmeisters Milkowski die Demontage des ersten Teiles, der Turmlaterne.
Bei der Demontage wurden alle Turmteile sorgfältig gekennzeichnet und in einer Halle der ehemaligen NVA eingelagert.
Es waren im einzelnen:
• 112 Hauptsäulen
• 64 Feldplatten
• 184 Treppensegmente
• 170 Hauptteile für Plattformen und Geländer
• Streben, Anker und Kleinteile mit einem Gesamtgewicht von 70 MP.
Das übereinstimmende Ziel aller fachlich Beteiligten war, einen möglichst hohen Prozentsatz an Originalsubstanz wieder einzusetzen.
Mit den wichtigsten Strahlarbeiten wurde im Frühjahr 1994 begonnen. Schäden wurden freigelegt. Im Ergebnis wiesen u.a. die Geländerstiele der Aussichtsplattformen Lunker (Hohlräume, die beim Gießen enstanden) auf und große Ornamentplatten hatten Risse an den Flügelstellen.
Alle tragenden und statisch wichtigen Teile wurden neu gegossen. Das sind alle Ringankerelemente, 50% der Treppenstufen sowie die Platten der Aussichtsplattformen. Völlig neu, aber wesentlich für die Statik; der sog. "Innere Turm". In die alten, innen hohlen Gußsäulen wurden Stahlsäulen, die die Zugkräfte des Turmes aufnehmen, eingefügt. Dadurch konnten alle alten Gußsäulen repariert und wiederverwendet werden.
Die ersten fertigen Teile wurden auf die Baustelle gefahren und Einzelteile vormontiert. Am 16.Mai 1994 setzte der Löbauer Bürgermeister, Herr Schulte, die erste neue alte Gußsäule.
Die Ornamentplatten, wieder mit Blei an der Unterseite vergossen und an den Seiten versetzt, erhielten an den Fügestellen der Bauteile zusätzlich eine Acryldichtschicht, um das Eindringen von Wasser zu verhindern.
Während die Montagearbeiten an der mittleren und obersten Plattform noch liefen, begannen sechs Restauratoren der Region mit der Vergoldung der untersten Platten.
Die feierliche Übergabe des Turmes an den Bürgermeister durch die Firma Fach & Werk erfolgte durch Herrn Vogel in gleicher Weise mit symbolischer Schlüsselübergabe, wie zum Beginn der Übernahme.
Allen am Bau Beteiligten kann ein hohes Verantwortungsbewußtsein und große Sorgfalt beim Umgang mit der historischen Bausubstanz bescheinigt werden. Der hohe Wiederverwendungsgrad an Originalteilen (ca.80%) verdeutlicht, mit welchem Fingerspitzengefühl während der gesamten Zeit der Rekonstruktion am Turm vorgegangen wurde.




3 HISTORISCHE ÜBERSICHT

Löbau wurde als Marktsiedlung wenige Jahre vor 1221 nach dem Willen des Königs von Böhmen ausgesetzt. Das altslawische Dorf Altlöbau gab der Stadt seinen Namen.

um 1200 Gründung der Stadt als Marktsiedlung
1221 Erste urkundliche Erwähnung der Stadt Löbau als Opidum Lubaw,
1306 – 1317 Das "Weichbild" entstand, 24 Dörfer der Umgebung wurden unter die Löbauer Gerichtsbarkeit gestellt
1311 Löbau erwarb für 80 Mark Silber den Kottmarwald (180 ha)
1346 Gründung des Sechsstädtebundes mit Bautzen, Görlitz, Zittau, Lauban, Kamenz und Löbau
1429 Hussiten belagerten und eroberten Löbau; die Blütezeit der Tuchmacherei endete
1547 Pönfall, eine Strafaktion des Königs gegen die Sechsstädte der Oberlausitz
1630 Gründung der Ratsbibliothek
1708 Leinwandhändler gründeten eine Handelssozietät (Überseehandel), Leineweberei ist Haupterwerbs-quelle
1710 Großer Stadtbrand, der die Innenstadt zerstörte
1729 3 Postdistanzsäulen wurden aufgestellt, nachdem König August der Starke das Straßennetz ausbauen und vermessen ließ
1786 Karl Preusker in Löbau geboren, Vater der sächs. Vorgeschichtsforschung
1844 Einziger und weitbekannter Garnmarkt in der Oberlausitz, in Löbau
1846 Einweihung der Eisenbahnstrecke von Bautzen nach Löbau, Gründung der Actien-Brauerei
1847 Freigabe des Eisenbahnviaduktes (neun Bögen), Bahnabschnitt Löbau - Görlitz für die Verbindung Paris - Warschau
1854 Bau des gußeisernen Aussichtsturmes auf dem Löbauer Berg
1933 Schminke-Villa von Prof. Hans Scharoun erbaut, Vorbild des "Neuen deutschen Baugefühls" im internationalen Stil - erweiterter Bauhaus-Gedanke
1990 Städtepartnerschaft mit der Stadt Ettlingen
1991 Zur 770-Jahr-Feier der Stadt Löbau wurde der Verbund der Sechsstädte wieder begründet, die Urkunde von allen Bürgermeistern unterzeichnet
1994 Wiedereröffnung des gußeisernen Turmes nach der Rekonstruktion
1998 Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Luban
1999 Im Juli wurde mit der Sanierung der "Schminke-Villa" begonnen.
2000 Ernennung der Stadt Löbau zur Großen Kreisstadt
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